Der verlorene Klick – Wie ich aufhörte, perfekte Bilder zu machen und die Fotografie wiederfand

Das Klicken meiner Sony A7R V klang wie ein Specht: Tack, Tack, Tack, Tack! Ich saß hinter der Absperrung der Reithalle, meine Tochter drehte ihre Runden, und ich hielt mit dem Tamron 35-150mm drauf. Dank Tieraugen-Autofokus und 10 Bildern pro Sekunde hatte ich bereits nach dem ersten Vorbei-Ritt das technisch perfekte Foto im Kasten. Nie war fotografieren einfacher. Und nie fühlte es sich bedeutungsloser an.

Der verlorene Klick
Der verlorene Klick

Kurz darauf klingelte das Telefon. Chris Kaula, um über unser gemeinsames Buchprojekt zu sprechen. „Passt es gerade?“
„Ja, perfekt. Ich fotografiere gerade, aber ich kann sprechen.“ Und genau das tat ich. Ich telefonierte und hielt die Kamera dabei weiter grob in Richtung Pferd. Wozu auch zielen? Bei 60 Megapixeln und einem Autofokus, der nie irrt, kann ich den Ausschnitt später wählen. Zur Not retuschiere ich eben in Photoshop.

In diesem Moment traf es mich wie ein Blitz: Wie. Langweilig. Ist. Das. Geworden?
Die Technik liefert. Die Ergebnisse wären in meiner Kindheit nur von einem Profi machbar gewesen. Aber wenn die Leidenschaft verschwindet – was bleibt dann noch übrig?

Wann bin ich kein Fotograf mehr, sondern nur noch ein Bild-Kurator, der ChatGPT Anweisungen gibt?

Dieser Tag war der Gipfel einer Krise, die seit Jahren in mir schwelte. Und anders als früher war mir klar: Eine noch bessere Kamera würde meine Leidenschaft nicht wieder entfachen. Die Lösung konnte nicht in besserer Technik liegen. Also warum nicht das Gegenteil probieren? Ein Reset. Ein Schritt zurück zu den Wurzeln, ganz weit zurück.

Ich brauchte eine Kamera, die mir jeden modernen Schnickschnack verweigert: nur ISO, Blende und Verschlusszeit. Nur ein manueller Fokus. Keine Modi, keine Menüs, nichts, das mir die Arbeit abnimmt. Und ich wusste, wer mir helfen konnte.

Nikon FM3A Analog Kamera
Nikon FM3A Analog Kamera

Die Begegnung mit der Vergangenheit

„Das ist meine alte Nikon F3. Und hier ein 28er, 35er und 50mm.“ Elena, die ihre Ausbildung noch im analogen Zeitalter absolvierte, breitete die Schätze vor mir auf dem Terrassentisch aus. Ich nahm die Nikon in die Hand, das kühle Metall fühlte sich schwer und ehrlich an. Unverwüstlich! Alleine das metallische Klicken des Auslösers! Ich blickte durch den Sucher, drehte am Fokusring. Mein Herz sank. Die Mattscheibe war ziemlich dunkel, das Fokussieren eine Qual für meine Ü50-Augen. War das wieder nur eine Schnapsidee von mir? Der beste Autofokus der Welt stand in meinem Schrank, und ich wollte mich mit sowas quälen?

War das wieder nur eine Schnapsidee von mir?

Analoge Fotografie mit Nikon
Analoge Fotografie mit Nikon

„Okay, ich habe einen Agfa APX 100 vom DM besorgt. Wie lege ich den jetzt ein?“ Elenas Augenbraue zuckte kaum merklich. Ich sah ihr an, was sie von dem Billigfilm hielt. „Hey, es ist nur ein Test“, verteidigte ich mich. „Der erste Film wird ohnehin ein Desaster. Für das Sommergefühl habe ich Kodak Gold 200 gekauft!“ Ein wenig stolz war ich schon auf mein angelesenes Wissen. Elena blieb unbeeindruckt. „Ich würde eher einen Ilford HP5 nehmen. Oder, wenn es Farbe sein muss, einen Portra 400.“ Ich ließ mir nicht anmerken, dass ich diese Namen noch nie gehört hatte.

Der magische Moment der Leere

Dann zeigte sie mir, wie man den Film einlegt. Das sorgfältige Fädeln, Das mechanische Klicken der Rückwand beim Schließen. Wieder nahm ich die Kamera hoch, fokussierte mühsam auf das Gesicht meiner Tochter und drückte ab. Das satte, mechanische Klack des Spiegelschlags erfüllte die Stille.

Und dann passierte es. Ein automatischer, tiefsitzender Reflex. Meine Finger zuckten zur Rückseite der Kamera, mein Daumen suchte den Play-Button, den es nicht gab. Schmunzelnd wurde mir die Leere bewusst. Ich würde Tage, vielleicht Wochen warten müssen, um zu sehen, was ich da gerade auf Film gebannt hatte. Und zu meiner Überraschung fühlte sich diese Leere gut an. Sie war keine Lücke, sondern ein Versprechen. Die Spannung war zurück!

Vor allem aber war da plötzlich ein Gefühl von Konsequenz. Jeder Schuss kostet Geld, Zeit und Mühe. Statt die Kamera nur noch im Dauerfeuer in die grobe Richtung Motiv zu halten, gab ich mir plötzlich wieder Mühe. Ich überprüfte die Belichtung dreimal. Ich feilte am Bildaufbau. Ich kämpfte um den Fokus.

Die nächsten Tage war ich quälend langsam. Meine Frau und meine Tochter mussten lange stillhalten, ihre Gesichtsausdrücke froren ein. Es war frustrierend. Aber es war ein lebendiger Frust.

Der Flow war zurück!

Ich fotografierte wieder aus Spaß. Nicht, weil ich es musste. Sondern weil ich es wollte. Und dieses Gefühl ist mehr wert als 36 perfekte, aber seelenlose Bilder. Es ist das eine, vielleicht leicht unscharfe, aber dafür ehrliche Foto, das am Ende zählt!

Die Rückkehr des Flows

Sportler kennen dieses Gefühl. Ein Kletterer ist im Flow, wenn die Route ihn fordert, aber nicht überfordert. Jeder Gedanke ist im Hier und Jetzt: Wo ist der nächste Griff? Sitzt der Fuß auf dem Tritt? Es ist der schmale Grat zwischen Stress und Langeweile. Auch Läufer kennen diese magischen Tage, an denen sie schwerelos über den Trail zu fliegen scheinen, angetrieben von Glücksgefühlen, die süchtig machen können.

Genau dieses Gefühl hatte ich in der Fotografie verloren. Ich spüre es nur, wenn ich durch den Sucher blickte, voll konzentriert und gefordert. Aber auf einem Display nur noch zuzusehen, wie eine perfekte Automatik das Foto macht? Da waren keine Glücksgefühle. Kein Flow.

Die analoge Kamera, mit all ihren Limitierungen, hat mir genau das zurückgegeben. Sie zwingt mich, selbst bei den einfachsten Motiven wieder voll präsent zu sein. Und das Paradoxe ist: Indem sie den Prozess verlangsamt und erschwert, macht sie nicht nur mich, sondern auch meine Fotos besser. Ich werde wieder zu einem bewussteren Fotografen, weil ich mir wieder Mühe geben muss!

Versteh mich nicht falsch: Ich verkaufe meine digitalen Kameras nicht. Als professioneller Content Creator muss ich täglich schnell und zuverlässig liefern. Dafür ist die analoge Fotografie zu langsam, zu unberechenbar.

Aber sie ist zu einem unschätzbaren Katalysator geworden. Sie hat mich daran erinnert, warum ich das alles mache. Diese neue Langsamkeit, diese bewusste Herangehensweise, inspiriert nun auch meine digitale Arbeit. Meine Videos und Fotos der letzten Wochen sind spürbar besser geworden. Nicht, weil die Kamera besser ist. Sondern weil ich es wieder bin.

16 Antworten zu „Der verlorene Klick – Wie ich aufhörte, perfekte Bilder zu machen und die Fotografie wiederfand“

  1. Avatar von Reiner J.
    Reiner J.

    Das Gefühl kenne ich !
    Seit vielen Jahren betreibe ich (wie viele Andere auch) die analoge Fotografie ergänzend zur Digitalen zwecks Entschleunigung und mehr Fokussierung.
    Meine alten Olympus OM-Kameras konnte ich einige Jahre lang wegen der “Ü60 Augen” praktisch nicht mehr nutzen und “musste” mir zu meinen Digitalkameras auch Analogkameras mit AF anschaffen.
    Nach Augen OP geht’s jetzt wieder mit den OM’s und es macht großen Spaß damit zu fotografieren wenn die Motive sich nicht allzu schnell bewegen 🙂

    1. Avatar von Ayurveg

      Hallo Reiner,

      welche Olympus verwendest du? Ich konnte mal eine OM D EM 10 erwerben. Ist eine gute Erfahrung.

      Gruß
      Maren

  2. Avatar von Rainer Erdorf
    Rainer Erdorf

    Nachdem ich gefühlt Tage damit verbracht habe, aus den vielen Serienbildern eines Motives DAS Bild rauszusuchen, was mir gefällt, habe ich vor einiger Zeit beschlossen, meinen Fotografierstil zu entschleunigen. Da meine Ü60 Augen weitsichtig sind, ist der Monitor eh zugeklappt. Ich nehme in RAW auf, habe aber meinen Live View auf SW stehen, damit ich keine unnötig störenden Farben bei der Bildkomposition habe. Das einzig Bunte ist die rote Kantenanhebung, um manuell den Fokus zu setzen und die Schärfentiefe mit der Blende zu kontrollieren.
    Eine nachträgliche Beurteilung des Fotos in der Kamera ist meistens eh nicht nötig, da das Foto ja schon vorher im Kopf entstand und dann nur technisch umgesetzt werden muss UND ich in der Regel erst meine Brille suchen müsste.
    Nach dem Importieren der Raw Datei in Lightroom entscheide ich, ob das Bild farbig oder monochrom sein soll. Den besten Filmlook finde ich in DXO Filmpack und zwar für jedes einzelne Foto (und nicht für 36 Fotos) genau so, wie ich es will.
    … und wenn es nötig ist, stelle ich meine A7IV auf P, AF ein und ballere 10 Bilder pro Sekunde so lange, bis ich das richtige habe 🙂 .. oder stelle den Sucher auf Farbe um das Foto mit der roten Hagebutte im grünen Busch doch noch scharfstellen zu können.

    Früher habe ich mir für den Urlaub im Fachgeschäft das Filmmaterial gekauft, das ich benutzen wollte, weil es sowas im Zielland oft nicht gab. Hab es in Alu gepackt, damit es mit den alten Röntgengeräten nicht beschädigt wurde .. oder es von Hand kontrollieren lassen. Habe meinen Fuji Velvia zurückgespult und einen 160er Film eingelegt, um Portraits von meiner Frau zu machen. Dann wieder zurück gespult. Abends habe ich den aktuellen Film natürlich wieder zurückgespult, mir die Nummer aufgeschrieben, weil ich unbedingt mit einem hochempfindlichen Film fotografieren wollte.
    Ich habe mich unglaublich geärgert, wenn beim Entwickeln irgendwelche Streifen auf die Filmoberfläche gekratzt wurden. Noch viel später hat es mich noch mehr geärgert, dass sich die Farben auf dem Filmmaterial zersetzt haben. Habe alles digitalisiert (10bit) und stelle fest, das all die Fotos letztlich leider nur noch Erinnerungswert haben.
    Mein Fazit (mit der ausdrücklichen Betonung auf “mein”) Um zu entschleunigen muss ich keine alte analoge Kamera mit Filmen haben. Der Prozess findet ausschließlich in meinem Kopf statt. Es zwingt mich ja schließlich niemand, die technischen Möglichkeiten der modernen Digitalkamera auszunutzen. “M” geht eigentlich immer und auch das umschalten auf manuellen Fokus sollte kein Problem sein. Auf der anderen Seite habe ich mit dem digitalen Aufnahmeverfahren und einem entsprechenden Workflow in der Nachbearbeitung hunderte von Filmsimulationen, ohne die oben angedeuteten Problem mit dem Filmmaterial zu haben.

    1. Avatar von Stephan Seidel
      Stephan Seidel

      Hallo Rainer,
      ja, das sind die beiden Positionen, die sich da immer gegenüberstehen. Am Ende kommt es eben auf einen selbst an. Jede (Lebens-)phase hat seinen Reiz, und wenn man jahrelang analog unterwegs war, ist das ein anderer Ausgangspunkt, als wenn man jahrelang im digital–schuss-und-dann-sitze-ich-noch-ewig-lang-am-PC – Modus ist.
      Beides geht, beides ist cool, keiner gewinnt, weil er besser/schneller/cooler (naja… cooler ist analog schon, weil retro und so 😀 )

      Ich habe mich in letzter Zeit sehr viel mit dem Konzept “wabi sabi” beschäftig, in dem es um eine generelle Einstellung zum Leben, den Dingen, der Welt, der Zeit geht… und habe gemerkt, dass diese ganzen Überlegungen zur Technik nur zweitrangig sind, weil – wie Herr Wiesner ja nun auch feststellt – am Ende das Herz den Rhythmus bestimmt.

      Analog ist super, digital ist super, aber was ich wie wann warum fotografiere, was ich dabei fühle, was ich mit meiner Fotografie eigentlich für mich möchte, das ist die Hauptfrage.
      Bei analog gibt es ja auch jene, die es nur der “Coolness” wegen machen und möglichst edgy sein wollen (man checke mal die Lomography-Bubble), bei digital die, denen fünf Milliarden Megapixel wichtig sind, nur um dann langwelige Fotots von Bergen und Sehenswürdigkeiten zu machen, die schon tausendfach fotografiert wurden…

      @Stephan Wiesner und auch interessierte: checkt gerne mal das Buch “The quiet Lense” https://www.shizenstyle.com/the-quiet-lens. (bin nicht beteiligt, aber schafft es, mit ganz einfachen Hinweisen und “Aufgaben” einen ganz neuen Blick zu erzeugen.
      Toller Ansatz, der viel früher ansetzt als bei der Frage nach der Technik.

      LG

    2. Avatar von Jörg Esser
      Jörg Esser

      Hallo Stefan,

      analog ist nochmals eine andere Erfahrung in Sachen Haptik. Zuletzt habe ich mehrfach mit einer alten Agfa Record III Balgenkamera fotografiert, die mit 120er Film Bilder in 6×9 cm liefern. Nach dem Auslösen hört man die Mechanik des Verschlusses, man muss manuell weiterdrehen, Belichtungsmesser in der Tasche haben (oder schätzen), die Schärfentiefe an einem Rechner ablesen, da der Messsucher nicht mit dem Objektiv gekoppelt ist. Bei der Filmempfindlichkeit und der Farbigkeit muss ich mich am Anfang festlegen und die 8 Bilder vollmachen.

      Der Unterschied zu einer Digitalkamera ist, dass ich wirklich jedes Bild mit einem Aufwand “zu Fuß” gemacht habe. Es ist eben anspruchsvoller als mit den Kameras von heute.
      Natürlich habe ich eine Digitalausrüstung und alleine die Vorschau finde ich mehr als praktisch, gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen. Diese nutze ich sehr gerne und mag sie nicht abgeben, aber es ist etwas anderes.

      Vielleicht so wie Nudelholz versus Pasta-Maschine – beide führen zum Ziel.

      1. Avatar von Stephan Seidel
        Stephan Seidel

        Ja, total; ich habe als erste Kamera damals als junger Hüpfer die Praktica meines Dads genutzt… leider auch kaputt gemacht sagte er… analoge Kameras in den Händen eines 8-jährigen war wohl doof 😀
        Danach Pentax, und dann kam die Canon AE1, die ich heute noch (nachgekauft) habe. Zusammen mit dem 50mm 1.4 eine mega Kamera.
        Dennoch: so geil, nostalgisch und entschleunigend das ist; die Preise für gute Filme sind schon ordentlich, eine gute Entwicklung auch (ja, DM und so entwickelt notfalls auch… bei CEWE meine ich, aber da ist viel Mist dabei), und dann hat man sie auf Papier. (gute) Scanner kosten Geld, und dann sind sie nicht soooo gut, wie man denkt… und Zeit fürs drum herum sammelt sich an.
        Ich liebe analoge Fotografie aus den hier genannten Gründen sehr; aber als Vater 3er Kinder und Vollzeitjob muss man schauen, ob dass alles nicht etwas too much ist, und “warum” man das macht. Der Beitrag von Hr. Wiesner zeigt: bei ihm ist es eine Art Sehnsucht gewesen und er meint so etwas wie Sinnstiftung, die fehlte (meine ich herauszulesen).

        Und wie ich in meinem ersten Beitrag schrieb; mit welcher Einstellung, Intention ich rangehe, ist entscheidender als die Technik. Analog kann helfen, wenn ich es nicht selbst schaffe, mich trotz high tech zu zügeln… 😉

  3. Avatar von Samuel Meyer
    Samuel Meyer

    Auch wenn ich mich erst (wieder) seit einem 3/4 Jahr mit der Fotografie beschäftige, kann ich das dennoch ein Stück weit nachvollziehen.
    Ich finde es oft ermüdend, selbst von einem Nachmittagsspaziergang, bei dem man die Kamera nur so nebenbei für den ein oder anderen Schnappschuss mitnimmt, hinterher aus hunderten Fotos auszuwählen. Manchmal frage ich mich: Ist es das was ich will? Will ich 70-90% meiner Fotografischen Arbeit am Bildschirm verbringen?

    Mir haben schon des öfteren ältere Fotografen den Tip gegeben, analog zu fotografieren, um das Handwerk zu lernen. Vor ein paar Tagen habe ich wieder meine geerbte Nikon F3 herausgekramt. Gibt sicherlich schlechtere Modelle um wieder analog einzusteigen 😉 Wie du schreibst, jede Auslösung kostet Geld. Ich bin gespannt wo mich das hinführt.

    Der aktuelle Film ist seit 3 Jahren in der F3. Ich weiß schon garnicht mehr was drauf ist und freue mich schon drauf, die letzten 13 Bilder zu machen und den Film zur Entwicklung zu geben.

    1. Avatar von Jörg Esser
      Jörg Esser

      Habe auch eine F3 von meinem Vater bekommen, die hatte irgendwann tatsächlich einen Defekt. Bin aber mit einer anderen F3 (super erhaltenen) fündig geworden und jedes Bild ist eine wahre Freude.
      Als ich Schüler war, da hat es nur für eine FE2 gereicht, umso mehr Spaß macht es mit der F3. Toll ist auch die F2, da ganz mechanisch.

  4. Avatar von Norbert Nestler

    Meine ersten fotografischen Schritte habe ich auch “damals” analog mit einer Praktica LTL3 gemacht. In der kleinen, heimischen SW-Dunkelkammer entstanden dann die Bilder. Und ich habe es gehasst – die ganze Chemiebrühe, das mühsame Entwickeln und Ausbelichten, um dann mit dem Ergebnis doch nicht 100% zufrieden zu sein…. Aber es gab ja nichts anderes, um die fotografische Leidenschaft zu befriedigen. Filme ins Fotogeschäft zu geben war mit einem Lehrlingsgehalt schwer möglich. Mit der Zeit schlief dann aus beruflichen Gründen das Hobby ein und erwachte erst wieder mit den ersten Digitalkameras. Ich hatte dann irgendwann eine Nikon D700 und war glücklich. Endlich Bilder ohne Reue machen – wenn’s nicht passt einfach löschen. Aber das Gestalten der Bilder habe ich mir aus den analogen Zeiten erhalten. Und so benutze ich von den heutigen Automatiken nur einen Bruchteil. Gesichtserkennung, Augenautofokus und der sonstige Schnickschnack interessiert mich nicht und ist daher abgeschaltet. Ich wähle mein Fokusfeld von Hand und freue mich, wenn mir gute, “handgemachte” Bilder gelingen. Die optimale (Digital)-Kamera für mich hätte ein gutes Autofokussystem, ausreichend Bilderspeicher, einen rauscharmen Sensor mit hoher Auflösung und einen tollen elektronischen Sucher – das würde mir reichen. Auch auf die Filmerei könnte ich verzichten, das gefällt mir mit dem Handy besser.

    1. Avatar von Ayurveg

      Hallo Norbert,

      das ist ja lustig, schrieb gerade, dass es in der Jugend so hammer war im Labor zu stehen und alles zu entwickeln… lustig 🙂

      Ist es wirklich ein Hobby oder Teil der Persönlichkeit?

  5. Avatar von masterflai

    Ein sehr schöner Artikel Stephan. Fotografie ist nicht umsonst für die meisten eine Leidenschaft. Das Schaffen, welches Leiden schafft. 😉

    In der Tat ist es doch eher das spielerische ausprobieren, sei es im analogen Bereich, mit Vintage Objektiven an modernen Kameras, Filtern und vielem mehr. Alles, was wir noch nicht kennen, reizt uns, lockt uns und wenn wir es ausgiebig ausprobiert haben, wenden wir uns neuen “Herausforderungen” zu.

    Nicht alles, was dabei heraus kommt, ist berauschend. Das muss es aber auch nicht sein. Wenn die Fotografie Erinnerungen schafft, im eigenen Kopf und/oder auf dem Fotopapier, dann können wir das Glück und die Leidenschaft fühlen. Und das ist, zumindest für mich, der Zauber der Fotografie.

    In diesem Sinne viele schöne Momente und vor allem viel Geduld für alle Mitmenschen. Fotografen und insbesondere Hobbyfotografen können die Nerven der Mitmenschen durchaus arg strapazieren. 😉

  6. Avatar von Jörg Esser
    Jörg Esser

    In den 80er bin ich mit analogen Apparaten groß geworden. In der Schule gab es ein Labor, dann einmal eine Projektwoche zum Lernen und als Kameras eine Praktika SLR mit 50mm Festbrennweite und Orwo s/w-Filme.
    Der Spaß wurde mit besseren Kameras und Objektiven nicht mehr viel größer, die Faszination des Handwerklichen ist unvergleichbar.
    Einzig die Vorschaufunktion bei digitalen Apparaten mag ich nicht missen, das hilft ungemein beim Lernen oder bei der Bildkomposition. Auch ein digitaler Workflow ist um Längen besser als alles manuell machen zu müssen.

  7. Avatar von Stefan Markus

    Hallo Stephan,
    ich kenne das auch, meine Nikon Z6III macht gute Fotos ohne das ich als Fotograf irgendwas dazu tun muss. Wie du schon richtig festgestellt hast, nimmt einem das irgendwie die Freude an der Fotografie, mit dem Analogen-Gedanken habe ich auch schon mal gespielt, habe mich aber bisher dagegen entschieden. Mein Weg führt mich nun von Nikon zurück zu Fujifilm, mit der X-T3 hatte ich immer wesentlich mehr spaß an der Fotografie, vermutlich weil die Kamera einem dieses Analoge Gefühl gibt.

  8. Avatar von Klaus Breitkreutz
    Klaus Breitkreutz

    Toll geschrieben und ich kann es nachempfinden.

    Habe schon sein Jahren eine Canon AE1 und eine YashicaMat 124 im Schrank stehen.
    In beiden hatte ich Filme geladen, nur mitnehmen wollte ich sie irgenwie nicht.

    In den Stoyies war dann Tobias Kröger mit seinen Erlebnissen. Das hat mich inspiriert.

    An einem Vormittag war das Licht richtig gut und ich wollte eh noch etwas ausprobieren, legte ich die AE1 in meinen Rucksack. Zur Burg Eltz habe ich nur eine viertel Stunde, ein idealer Ort für mich.

    Dann die übliche Runde und ein paar Fotos analog gemacht. Gefühlt 45 Jahre zurück.
    Nach und nach erinnerte ich mich an die Funktionen der Knöpfe und Hebel.

    Zu Hause festgestellt, dass ich noch gut 5 Bilder auf dem Ektar 100 frei hatte.
    Ausgelöst, neu gespannt und bemerkt, dass der Film nicht transportiert wird.
    Anfängerfehler wie vor 45 Jahren – der Film war nicht richtig eingelegt.

    Also auf zu neuen Fotos.

    EIn paar Tage war es zum ersten Mal kalt und das passte zur neuen Challenge.
    Also wieder zur Burg Eltz.
    Auf dem Weg nach unten noch meinen Fotofreund Elvis getroffen. Er war schon auf dem Rückweg.

    Das Licht war gut und ich konnte einige Fotos machen.
    Durch meine G7x und Q3 bin ich seit Jahren eh viel entspannter und an der Burg Eltz kenne ich fast jeden Stein.

    Bei der AE1 blieben wieder ein paar Bilder übrig. Diesmal achtete ich auf den Transport.
    Noch am gleichen Tag den Film auf die Reise gebracht. Bin mal gespannt, was daraus geworden ist.
    Hoffe, dass ich nachher die Ergebnisse bekomme.

    Bis vor gut dreißig Jahren gab es noch Foto Blum in Koblenz. Dort konnte man die Filme Abends in den Briefkasten werfen und am Folgetag entwickelt abholen.

    Egal wie die analogen Fotos werden, ich bleibe bei meiner Art zu knipsen.
    Losziehen, wenn das Wetter passt und dann vom Bauchgefühl und Licht an die passenden Orte leiten lassen. Mein “Zettel” ist groß.

  9. Avatar von gerhart
    gerhart

    hallo stephan, ich liebe deine persönlichen erzählungen…

    mein weg war nach einer M42 yashica in meiner jugend eine zeit gar keine und als sie rauskam eine minolta X-700 mit tollen originalobjektive, festbrennweite und zooms – alles manuell. als die digitalen kamen hatte ich von canon ixus drei oder vier generationen und ein paar bridge cameras (deren fokus für flugzeuge zu langsam war…) dann irgendwann die nikon D80 in der hand – endlich wieder fotografieren – top sucher und das gewissen mindestgewicht ohne das für mich fotografieren nicht fotografieren ist 🙂 später D300 die tolle farben ohne bearbeitung lieferte und später D700 und D850 – dazwischen ein paar D7x00 und D5x00 – die D850 hauptsächlich zum analog-dias und fotos abfotografieren 🙂 dann der schritt Z6/Z6II Z8 und Zf (wegen der haptik) und Z50/Zfc/Z50II – dazu jede menge top objektive – manchmal mehr sammler als fotograf – aber was mir aus der analogen zeit geblieben ist – ich fotografiere fast ausschliesslich out-of-cam – ich nutze die vorschau kaum, ich hab den fokus-punkt in der mitte und verschieb ihn wenn nötig, ich fotografiere im A-modus und am ende eines langen tages kopiere ich die fotos aufs notebook und schau sie mit mit dem viewer an, korrigiere sie so gut wie nie – meine fotos wurden immer schärfer, vor allem weil es die objektive wurden. dort wo ich den digitalmodus besonders schätze ist dann wenn ich lichtsituationen habe mit denen ich keine erfahrung habe, z.b. den mond fotografieren – da kann man experimentieren und eine nacht lang herumspielen bis man (aber auch out-of-cam) ein foto hat mit dem man glücklich ist – da wusste ich analog schon wochen bevor der film zurück kam dass die bilder nichts geworden sind… und ich hatte schon immer abfolgen von tagen/wochen an denen sich nichts ergab und ich lieber ohne fotoapparat zum heurigen oder sonstigen feier ging, dafür dann wochen, kurzreisen etc. an denen ich die kamera kaum vom auge nahm. ich hab die software photolab von DxO aber eigentlich spiel ich bloss jeden herbst das update ein… ich hab auch versucht mit sony A7, A7 III, A6000, A6400 und A6500 spass zu haben, aber die A6xx waren mir zu klein und bei allen die sucher zu wenig brauchbar – nikon verwöhnt eben… das Smartphone nutze ich für gewöhnlich um bei IKEA Preisschilder zu fotografieren um sie daheim dann zu benutzen. ich kenn auch leute die meinen wozu soll ich den mond fotografieren wenn ich perfekte Fotos der NASA runterladen kann. so seh ich auch KI/AI in der fotografie – schön dass es das gibt, ich will bloss einen schalter mit dem ich das alles zusammen einfach abschalten kann 🙂

    ich wünsch mir noch viele deiner persönlichen beiträge,
    liebe grüsse, gerhart

  10. Avatar von Ayurveg

    Lieber Stephan,

    ich schreibe ohne die Kommentare davor gelesen zu haben, vielleicht erwähnte es schon jemand.

    Wenn man Autofahren kann und noch kein einziges Mal auf einem Fahrrad saß, ist es schwierig Mountainbikefahrten zu verstehen. Huch ich schweife ab…

    Dein Artikel macht schön darauf aufmerksam, was wir als Jugendliche in der Photo-AG liebten – das Geräusch von allem: Klicken, Zoom, Belichtungsmesser verwenden, aaaaalles ganz dunkel machen Chemie in jedes dafür vorgesehen Gefäß geben, aaaaaaalles ganz vorsichtig behandeln und sich dann freuen. (Damals wurde ich angehende Chemielehrerin und die Fotografie war überall dabei, zur Not in der Silberionenlösung, daraus schusterte ich dann eine Unterrichtstunde; Fotografieren passt immer *freu)

    Cool, dass du die gleiche Freude beim Knipsen hast wie wir. Für mich ist, trotz der langjährigen Erfahrung mit der Nikon D 70, digital immer noch komisch. Praktica MTL 5 gab mir das Glück, die Spiegelreflexkamera in der Wendezeit kennenzulernen. Wir hatten aber auch einen ambitionierten Fotohändler.

    Du weckst die Nostalgie in uns.

    Danke für den offenen, herzlichen Einblick in deine Fotografenseele.

    Mich würde noch interessieren, ob du früher gar keine Bilder hattest? Keine Kompaktkamera mit der man als Kind knipste? Keine Sofortbildkamera der Eltern aus dem Schrank geholt?! Dein Einstieg in die Fotografie begann erst mit der Digitalkamera? Welcher war dein erster Fotoapparat?

    Danke fürs Antworten.

    Es sendet dir ein Gruß aus der Weinregion Ortenau
    Maren *heart

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Stephan Wiesner
27.11.2025

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