Das Canon RF 300-600mm: Das Objektiv, das seit Jahren „bald kommt”

Canon Rumors berichtet diese Woche erneut über das Objektiv, diesmal mit einer etwas besseren Quelle als bisher. Bei einem Händler-Meeting wurde das Objektiv wieder auf einer Präsentation gezeigt. Das klingt nach Fortschritt. Ist es aber in gewisser Weise auch nicht, denn der beigefügte Zeitrahmen lautet: „kommt 2026.” Genau so wie letztes Jahr „kommt 2025″ hieß. Und so weiter.

Eine kurze Geschichte des ewigen Wartens

Das Kuriose an diesem Objektiv ist, wie lange es die Community schon beschäftigt, ohne dass je etwas Offizielles kam.

2022–2023 tauchen erste ernsthafte Gerüchte auf. Damals ist noch von einem RF 200-500mm f/4L die Rede, eine Brennweite, für die es auch Patente gibt. Die Idee: ein kompaktes, handliches Supertele für alle, die keine 10.000-Euro-Festbrennweite wollen.

August 2025 konkretisiert sich das Ganze. Canon Rumors meldet eine verlässliche Quelle, die ein RF 300-600mm f/5.6L IS USM als gesetzt beschreibt. Das Objektiv soll deutlich unter 10.000 Dollar kosten und handlicher sein als die großen Weißen. Preisschätzung damals: 6.499 bis 6.999 Dollar.

September 2025 kommt eine weitere Version ins Spiel: das RF 300-600mm f/4-5.6L IS USM mit variabler Blende. Angeblich befindet sich dieses Modell in finaler Testphase, soll noch 2025 angekündigt werden. Wird es nicht.

März 2026, heute: Wieder ein Händler-Meeting, wieder dieselben zwei Varianten im Gespräch. Der Favorit laut Canonrumors ist inzwischen das RF 300-600mm f/5.6L IS VCM mit konstanter Blende und VCM-Autofokus, einem Antrieb, den Canon bisher nur in Festbrennweiten wie dem RF 35mm f/1.4 L VCM verbaut hat. Ein VCM in einem Supertele-Zoom wäre eine Premiere.

Warum das Objektiv überhaupt eine große Sache ist

Canon hat im RF-System eine interessante Lücke. Aber sie liegt nicht dort, wo man sie zuerst vermuten würde. Vom erschwinglichen RF 100-400mm für rund 640 Euro über das RF 200-800mm für knapp 1.500 Euro und das RF 100-500mm L für rund 2.800 Euro bis zum RF 100-300mm f/2.8L für rund 9.000 Euro ist das Portfolio eigentlich gut bestückt. Das Problem: Nichts davon reicht mit guter Lichtausbeute zuverlässig bis 600mm.

Ein 300-600mm mit konstanter Blende f/5.6 würde genau das schließen: mehr Licht am langen Ende, saubere Telekonverter-Kompatibilität, und eine klare L-Objektiv-Positionierung zwischen Konsumerzoom und professionellem Festbrennweiten-Segment.

Ein anderer Grund, warum das Objektiv strategisch wichtig ist: die Fußball-WM 2026 im Juni. Canon ist bei großen Sportevents immer präsent und hat in der Vergangenheit regelmäßig Ankündigungen rund um Olympiaden und Weltmeisterschaften platziert. Canonrumors hält eine zumindest Development Announcement vor der WM für realistisch. Vielleicht also keine Markteinführung, aber immerhin eine offizielle Bestätigung, dass das Objektiv existiert.

Was macht das Objektiv so schwer zu bauen?

Einen Zoom von 300 bis 600mm mit konstanter Blende f/5.6 zu konstruieren ist optisch erheblich aufwändiger als ein variables Design. Der Frontlinsen-Durchmesser wächst mit der Brennweite, was Gewicht und Größe in die Höhe treibt. Canon hat mit Diffractive Optics (DO) dafür eine Technologie, nutzt sie aber bisher hauptsächlich bei Festbrennweiten. Ob das 300-600mm DO-Elemente bekommt, ist laut Canonrumors noch unklar.

Der VCM-Autofokus ist ebenfalls kein triviales Engineering-Problem: VCM-Motoren brauchen wenig Strom und fokussieren lautlos, sind aber bei großen Linsengruppen schwieriger zu kontrollieren als USM. Das erklärt, warum Canon diese Technologie bisher in kompakten Festbrennweiten getestet hat, bevor sie in schwere Zooms wandert.

Unser Blick auf den Gerüchtestand

Canon Rumors ist eine verlässliche Quelle. Wenn sie sagen, die Quelle war besser als üblich, dann bedeutet das etwas. Aber das Objektiv ist nun seit mindestens eineinhalb Jahren in der Gerüchte-Pipeline, mit wechselnden Specs und wechselnden Zeitrahmen.

Das kann zweierlei bedeuten: Entweder ist Canon gerade dabei, ein komplexes Produkt auf den Markt zu bringen, das wirklich gut werden soll, und nimmt sich dafür die nötige Zeit. Oder die internen Specs ändern sich regelmäßig, weil man sich nicht einigen kann, welches Produkt am Markt besser funktioniert.

Was würdet ihr kaufen: Das Canon RF 300-600mm zum mutmaßlichen Preis von rund 6.500 Euro, oder lieber jetzt eine der verfügbaren Alternativen? Schreibt es in die Kommentare.

2 Antworten zu „Das Canon RF 300-600mm: Das Objektiv, das seit Jahren „bald kommt”“

  1. Avatar von Alexander Schitschka
    Alexander Schitschka

    Mhhh, das kommt ganz auf die Größe und Gewicht an… warum sollte es schwierig sein ein solches Objektiv zu bauen? Nehmen wir als Vergleich das Sigma 300-600mm f4 und Canon tut sich schwer bei f5,6?? Würde mich wegen dem Preis und der Blende f4 für Sigma entscheiden wenn man wie ich E-Mount und RF-Mount nutzt.

  2. Avatar von Gregor Reschke
    Gregor Reschke

    “Das RF 200-800mm kommt bis 800mm, aber mit f/9 am langen Ende auf einem APS-C-Sensor vertretbar, auf Vollformat schon sportlich.” – Steh ich gerade auf dem Schlauch oder ist das tatsächlich verdreht?

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ZIELFOTO Crew
27.03.2026

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