Canon plant offenbar ein ungewöhnliches 75-300mm-Telezoom

Canon könnte an einer technisch interessanten Neuauflage eines klassischen Telezoom-Konzepts arbeiten. Wie Canon Rumors berichtet, ist ein neues Canon-Patent aufgetaucht, das ein RF 75-300mm F4.5-5.6 mit einer sogenannten Floating-Focus-Konstruktion beschreibt. Dabei handelt es sich ausdrücklich nur um ein Patent. Ob daraus tatsächlich ein Serienobjektiv entsteht, ist offen.

Bemerkenswert ist zunächst die Brennweite. Canon hat mit dem RF 75-300mm F4-5.6 bereits seit 2025 ein sehr günstiges und vergleichsweise leichtes Telezoom im RF-System. Das aktuelle Modell wiegt 507 Gramm, besitzt einen einfachen DC-Autofokusmotor und ist vor allem als kompakte Möglichkeit gedacht, den Telebereich abzudecken.

Das nun patentierte Objektiv wäre deshalb nicht einfach deshalb interessant, weil Canon erneut 75 bis 300 mm anbietet. Der entscheidende Punkt ist die Floating-Focus-Konstruktion.

Zwei Fokusgruppen statt einer

Bei einem klassischen Fokussiersystem werden die für die Scharfstellung verantwortlichen Linsengruppen weitgehend gemeinsam bewegt. Beim Floating Focus werden dagegen unterschiedliche Linsengruppen während des Fokussierens unabhängig voneinander bewegt. Dadurch kann die optische Konstruktion für verschiedene Aufnahmeentfernungen gezielter korrigiert werden.

Das ist besonders interessant, weil Objektive ihre optischen Eigenschaften beim Wechsel von sehr großen auf sehr kurze Fokusdistanzen verändern. Eine Floating-Focus-Konstruktion kann dabei helfen, Abbildungsfehler über einen größeren Entfernungsbereich besser unter Kontrolle zu halten.

Genau hier könnte der eigentliche Sinn des Patents liegen: Canon beschreibt nicht einfach ein weiteres günstiges 75-300mm, sondern eine optisch aufwendigere Konstruktion, die trotz des relativ unspektakulären Brennweitenbereichs eine bessere Leistung über unterschiedliche Fokusdistanzen ermöglichen könnte.

Warum Canon ausgerechnet 75-300 mm?

Der Bereich von 75 bis 300 mm ist für Vollformatkameras ausgesprochen vielseitig. 75 mm eignet sich noch für Portraits und Details, während 300 mm bereits eine deutliche Telewirkung für Tiere, Sport oder entfernte Motive bietet. An einer APS-C-RF-Kamera entspricht der Bildwinkel sogar ungefähr 120 bis 480 mm.

Gleichzeitig deutet die identische Brennweite zum bereits erhältlichen RF 75-300mm darauf hin, dass Canon mit dem Patent möglicherweise unterschiedliche Leistungs- oder Preisklassen innerhalb dieses Bereichs bedienen könnte. Das aktuelle Modell ist klar auf ein möglichst günstiges und leichtes Telezoom ausgelegt. Eine komplexere Floating-Focus-Konstruktion könnte dagegen vor allem auf eine bessere optische Leistung und möglicherweise eine bessere Nahbereichsleistung abzielen.

Ob Canon dieses Konzept tatsächlich in ein fertiges RF-Objektiv überführt, bleibt allerdings offen. Patente zeigen schließlich vor allem, woran ein Hersteller arbeitet oder welche Konstruktionen er sich schützen lassen möchte – nicht zwangsläufig, was später im Handel landet.

Interessant ist das Patent trotzdem: Canon scheint beim RF-System weiterhin auch an vergleichsweise klassischen Brennweiten zu arbeiten, versucht diese aber mit moderneren optischen Konstruktionen weiterzuentwickeln. Sollte aus dem Patent ein Serienobjektiv werden, dürfte vor allem die tatsächliche Abbildungsleistung im Nah- und Telebereich spannend werden.

2 Antworten zu „Canon plant offenbar ein ungewöhnliches 75-300mm-Telezoom“

  1. Avatar von Jörg Wilmes
    Jörg Wilmes

    Ich hatte damals das EF 70-300 IS USM II an meiner 500d als Reisezoom. Der AF war brutal schnell, alle meine RF Linsen auch L Versionen können da nicht mithalten. Ich trauer dem EF manchmal noch ein wenig nach 😥 bin gespannt ob die neue floating focus version hier genau so schnell wird.

  2. Avatar von Ulrich Witt
    Ulrich Witt

    Dass man nun bei Canon auf optische Schärfen hin optimiertes RF 75-300mm F4.5-5.6 spekuliert, würde mich nicht wundern. Es gibt berühmte Vorbilder eines solchen Objektives – zum Beispiel das “große Ofenrohr” von Minolta.

    Eines der ersten Telezoom-Objektive, die Minolta zusammen mit der Minolta 7000 und Minolta 9000 im Jahre 1985 herausbrachte, war nämlich genau ein 75-300mm F4.5-5.6. Im englischsprachigen Raum umgangssprachlich auch als „Big Beercan” genannt, hat dieses Objektiv heute teilweilse Kultstatus, auch weil seine optischen Qualitäten auch heute noch als bemerkenswert gut eingeschätzt werden – optisch oft besser als ihr eigener Nachfolger.

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