Backup für Fotografen – Fotos richtig sichern (1/2)

30 TB Angst: Warum dein Foto-Archiv in Gefahr ist (Backup-für Fotografen Teil 1)

Stell dir vor, du kommst heute Abend nach Hause, und dein Büro ist leer. Oder du schaltest deinen Rechner ein und statt deines Desktops begrüßt dich ein rotes Fenster mit einem Countdown und einer Bitcoin-Adresse.

Als Fotografen und Videografen verkaufen wir keine Dateien. Wir verkaufen Erinnerungen, Emotionen und unwiederbringliche Momente. Doch das Fundament unseres Geschäfts ruht auf extrem fragiler Technik: Festplatten.

In diesem zweiteiligen Beitrag nehme ich dich mit in mein “Data-Hoarding”-Szenario und zeige dir, warum ein einfaches „Ich kopiere das mal schnell auf eine externe Platte“ bei professionellen Datenmengen nicht mehr reicht.

Info: Was ist ein NAS und was bedeutet RAID erkläre ich in einem separaten Artikel.

Die 4 Reiter der Daten-Apokalypse

Warum machen wir Backups? Nicht, weil wir zu viel Zeit haben. Sondern weil Datenverlust keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann“ ist. Ich habe die Risiken mal nüchtern analysiert. Hier ist die Realität, mit der wir leben:

Die GefahrEintrittswahrscheinlichkeitDie Realität für Fotografen
Technischer DefektSehr Hoch (100%)Jede Festplatte stirbt irgendwann. Mechanik verschleißt. Ein Head-Crash kündigt sich oft nicht an – gestern lief die Platte noch, heute klickt sie nur noch traurig.
Versehentliches LöschenHochMüdigkeit nach einem 12-Stunden-Shooting. Ein falscher Klick oder den falschen Ordner in den Papierkorb geschoben. Der Fehler sitzt meist vor dem Bildschirm.
Diebstahl / VerlustMittelBesonders gefährlich für Laptops und mobile Platten „On Location“. Aber auch Einbrüche in Studios kommen häufiger vor, als man denkt. Teures Equipment zieht Diebe an.
Ransomware / VirenGering bis MittelEin unbedachter Klick auf einen E-Mail-Anhang (“Rechnung.pdf.exe”) und dein gesamtes Archiv wird verschlüsselt. Ohne Offline-Backup zahlst du oder verlierst alles.

Wir tendieren dazu, die ersten beiden Punkte zu verdrängen („Mir passiert das nicht“), aber genau das das Ende einer Karriere bedeuten.

Mein Szenario: Wenn Datenmengen explodieren

Vielleicht kennst du das: Du fängst klein an, und plötzlich verwaltest du ein digitales Imperium. Um dir im zweiten Teil eine konkrete Lösung zeigen zu können, müssen wir uns erst einmal anschauen, womit wir es zu tun haben. Das hier ist mein aktueller „Ist-Zustand“ – und vielleicht erkennst du dich darin wieder:

1. Die Kommandozentrale: MacBook Pro

Hier passiert die Arbeit. Auf der internen SSD liegen:

  • Die aktuellen Projekte, an denen ich gerade arbeite.
  • Die Fotos des laufenden Jahres (schneller Zugriff ist King).
  • Katalog-Dateien (Lightroom/Capture One).

2. Der Videoschnitt: Externe SSD

Da 4K-Material jede interne Festplatte sprengt, nutze ich für den Videoschnitt schnelle externe Platten. Hier liegen temporäre Projektdaten, die extremen Datendurchsatz brauchen.

3. Das Datengrab: Das Büro-NAS (30 Terabyte)

Hier liegt mein „Gold“. Ein leistungsstarkes Network Attached Storage (NAS) im Büro, das als zentrales Archiv dient. Die 30 TB teilen sich wie folgt auf:

  • 5 TB Fotos: Mein Lebenswerk der letzten Jahre. RAW-Dateien, bearbeitete JPEGs, Kundenaufträge.
  • 20 TB Videos: Videografie frisst Speicherplatz zum Frühstück. Rohmaterial, Schnittprojekte, fertige Filmschnipsel.
  • 5 TB Sonstiges: Dokumente, Assets, Musik, private Daten.

Die alten Videos verwende rein lesend. Ich kopiere selten (ca. einmal im Monat) Daten aus alten Videos in neue Projekte. Aber ich erstelle die alten Projekte nie neu. Anders bei den Fotos. Da kommt es häufig vor, dass ich alte Fotos neu bearbeite oder zumindest die Metadaten ändere, z.B. neue Stichworte vergebe.

Das Problem:

Wenn dieses Büro abbrennt, ein Wasserschaden auftritt oder jemand das NAS stiehlt, sind 30 Terabyte weg. Einfach so. Und Cloud-Speicher? Versuch mal, 30 TB über eine deutsche Internetleitung wiederherzustellen. Viel Spaß!

Ausblick: Wie man 30 TB sicher schlafen legt

Wie sichert man solche Datenmengen effizient?

Wie verhindert man, dass man Festplatten durch die Gegend tragen muss und es dann doch vergisst?

Und wie integriert man ein zweites NAS an einem anderen Standort, ohne IT-Studium?

Im zweiten Teil dieses Beitrags stelle ich dir meine konkrete Backup-Strategie vor. Ich zeige dir, wie ich mit einem Mix aus lokaler Spiegelung, einem zweiten NAS im Home-Office und einer smarten Synchronisation dafür sorge, dass meine Daten selbst den Weltuntergang überleben würden (zumindest fast).

Bleib dran – im nächsten Beitrag bauen wir das digitale Fort Knox.


Wie sieht DEIN Datenvolumen aus? Wieviel TB Fotos hast Du? Schreib es unten in die Kommentare.

2 Antworten zu „Backup für Fotografen – Fotos richtig sichern (1/2)“

  1. Avatar von Jeffrey López Yau
    Jeffrey López Yau

    Spannendes Thema!
    Ich habe etwa 2,5 TB Foto und Videomaterial auf einer 4 TB SSD und dann hier und dort noch etwas 1-2 TB auf alten Platten, wobei ich an eine schon nicht mehr ran komme. Ich glaube, die mag mich nicht mehr. Meine Dokumente und Co habe ich auf einer 2 TB SSD. Und auf dem Mac so das laufende Programm der letzten Shoots.
    Aber meine Fotos sind nicht doppelt gesichert und das macht mir Angst. Der Speicher wird immer teurer und ich bin nur privat unterwegs und verdiene kein Geld an meinen Fotos.

  2. Avatar von Thomas Stutz

    Geht mir ähnlich wie Jeffrey. Habe mir jetzt ein kleines 2-Bay-Nas zugelegt mit 2 x 4 TB. Da sind die Daten erst mal nur stumpf rüberkopiert und Raid1 eingerichtet. Jetzt möchte ich noch die automatische Datensynchronisation einrichten, dann fühle ich mich wieder sicherer 🙂

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Stephan Wiesner
14.02.2026

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